Evangelisches Kirchspiel Schenklengsfeld

Das Kirchenjahr und die liturgischen Farben



Das Kirchenjahr hat eine andere Einteilung als das kalendarische Jahr. Es beginnt nicht mit einem feststehendem Datum wie etwa dem 1. Januar, sondern mit einem Sonntag, und zwar dem 1. Advent (genauer gesagt am Vorabend des 1. Advent). Das Ende des Kirchenjahres bildet der Toten- bzw. Ewigkeitssonntag, so dass man auf die Idee kommen könnte, dass die Woche zwischen diesen beiden Sonntagen nicht zum Kirchenjahr gehört. In der Praxis werden die Tage nach dem Ewigkeitssonntag aber bereits zur Adventszeit gezählt, auch wenn deren offizieller Beginn der Vorabend des 1. Advent ist.

Das Kirchenjahr wird gerne als Kreis dargestellt, der eine grobe Dreiteilung erfährt. So hatt das erste Viertel des Kirchenjahres des Weihnachtsfest zum Thema, das mit dem Advent beginnt und die Epiphaniaszeit hindurch andauert. Es schließt sich die etwas längere Zeit des Osterkreises an, der mit der Passionszeit beginnt und nach Pfingsten endet. Der längste Teil des Kirchenjahres ist der Trinitatiskreis, der mit Trinitatis beginnt und mit dem Ewigigkeitssonntag endet.

Den einzelnen Festtagen (wie auch den dazwischen liegenden Tagen) werden in der Kirche verschiedene Farben zugeordnet, die den Charakter dieser Tage widerspiegeln sollen. Dabei unterscheidet sich die Zuordnung der Farbe zu den Festtagen in den verschiedenen christlichen Konfessionen und in Einzelfällen auch in den Kirchengemeinden.
Die Bedeutung der beiden Farben Schwarz und Weiß sind uns allen geläufig; Schwarz ist die Farbe der Trauer und des Todes, Weiß die der Freude und des Lebens. Weniger bekannt ist die Bedeutung der anderen liturgichen Farben. Liturgie bedeutet so viel wie Dienst und meint damit die Ordnung - den Ablauf - der religiösen Zeremonien und Riten des Gottesdienstes in Christen- und Judentum. Die Farbe Grün steht für die Hoffnung und das Wachsen. Rot steht für die Liebe, aber auch für Blut und für Feuer. Die Farbe Violett ist die Farbe der Besinnung, der Verwandlung und auch der Buße.
In den einzelnen Kirchengemeinden werden zu den Festtagen teilweise unterschiedliche Farben bei den Paramenten und Antependien (Altar- und Kanzeldecken) verwendet. So wird zu Karfreitag, dem Todestag Christi, durchgängig Schwarz aufgehängt. Für das Ende des Kirchenjahres gilt dies nicht überall. Wo das Gewicht auf dem Gedenken an die Verstorbenen liegt, wird am Totensonntag ebenfalls Schwarz aufgehängt. Gemeinden, die diesen Tag aber lieber als Ewigkeitssonntag begehen, verwenden die Farbe Grün (Hoffnung und Besinnung) oder sogar Weiß als Symbol, ins Licht der Ewigkeit geführt zu werden.

Weihnachtskreis

Adventszeit

Der Advent (von lat. adventus domini - Ankunft des Herrn) ist die Zeit der Vorbereitung auf das Fest der Geburt Jesu Christi - Weihnachten. Ihm ist die Farbe Violett zugeordnet, als Zeit der Besinnung. Dies gilt nicht nur der erwarteten Geburt Christi, sondern auch der Erwartung der zweiten Wiederkehr und dem Anbruch des Reichs Gottes.

Weihnachten

Heiligabend - der 24. Dezember - zählt noch zur Adventszeit und erhält daher die Farbe Violett zugeordnet. Auch der Brauch, die Geschenke erst am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertags zu verteilen, spiegelt dies wider. Aber nach der Geburt Christi (am Abend des 24.) wird die Farbe Weiß für die Ankunft des Lichtes aufgelegt.

Epiphanias

Der 6. Januar erinnert an die Erscheinung des Herrn. Der Tag ist auch als Heilige Drei Könige bekannt, erinnert also an die Anbetung des Kindes durch die Weisen aus dem Morgenland. In den Ostkirchen ist dies der Tag der Taufe Jesu und der Offenbarung der Dreifaltigkeit Gottes. An Epiphanias und dem letzten Sonntag nach Epiphanias wird daher als Farbe des Lichts und der Klarheit Weiß aufgelegt. In der Epiphaniaszeit dazwischen gilt vielerorts die Farbe Grün.

Osterkreis

Passionszeit

Die Passionszeit, auch Leidens- oder Fastenzeit genannt, beginnt mit dem Aschermittwoch und bezeichnet die Zeit des Leiden und Sterben Jesu Christi. Der Farbe Violett in dieser Zeit kommt die Rolle der Besinnung zu. In früheren Zeiten lag die Betonung noch stärker auf dem Bußcharakter der Farbe. In diese Zeit fällt auch der Palmsonntag, dem 6. und letztem Sonntag der Fastenzeit und Sonntag vor Ostern, also dem Beginn der Karwoche. Der Palmsonntag erinnert an den Einzug Jesu in Jerusalem, zu dem ihm das Volk Palmzweige streute. In der evangelischen Kirche zählt dieser Tag noch nicht zur Leidenszeit der mit ihm beginnenden Karwoche.

Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag

Auch wenn der Gründonnerstag die Farbe Grün im Namen führt, ist diese nicht die dessen liturgische Farbe. Am Gründonnerstag fand das letzte Abendmahl Christi mit seinen Jüngern statt. Die Farbe dieses Tages ist Weiß, was sich auch in der Bezeichnung weißer Donnerstag in manchen Gegenden zeigt.
Der Karfreitag ist der Tag der Kreuzigung und des Todes Jesu Christi. Schwarz.
Auch am Karsamstag war Christus tot, weshalb auch hier die Farbe Schwarz aufgelegt wird.

Ostern

Mit der Auferstehung in der Osternacht am Ostersonntag wird Weiß aufgelegt und bis Pfingsten beibehalten. In diese Zeit fällt auch Himmelfahrt.

Pfingsten

Pfingsten - fünfzigster Tag, also sieben mal sieben Tage nach dem Ostersonntag - ist der Tag der Aussendung des Heiligen Geistes und gilt auch als Gründungstag der Kirche. Es markiert gleichzeitig das Ende der Bußzeit. Pfingstsonntag und -montag ist die Farbe Rot zugeordnet. Die Bibel beschreibt die durch den Heiligen Geist vermittelte Fähigkeit der Apostel, zu ihren Zuhörern in deren jeweiligen Muttersprache sprechen zu können, durch Zungen wie durch Feuer. Mit der Ausgießung des Heiligen Geistes endete die Untätigkeit der Apostel - sie traten erstmals öffentlich in Erscheinung.

Trinitatiskreis

Trinitatis

Das Fest der Dreifaltigkeit am ersten Sonntag nach Pfingsten (auch Allerheiligen genannt) weist auf die Verbindung zwischen Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist hin. Für den Rest des Kirchenjahrtes gilt die Zählung Tage nach Trinitatis und die Farbe des Wachsens, Grün. Dies gilt insbesondere für den Erntedanksonntag im letzten Drittel der Trinitatiszeit. Mancherorts wird an Trinitatis selbst Weiß aufgelegt.

Reformationsfest

In der evangelischen Kirche wird am 31.Oktober der Reformation der Kirche durch Martin Luther gedacht. Kernpunkt ist die Erkenntnis, dass die Erlösung von der Sünde der Menschen nicht durch deren Buße (Ablasszahlungen) erfolgen kann, sondern durch den Kreuzestod Jesu Christi geschehen ist. Da Rot auch als Farbe von Gottes lebendigem Geist und dessen Wirken ist, wird diese Farbe aufgelegt, die auch bei Festen im Zusammenhang mit kirchlichen Angelegenheiten zum Einsatz kommen kann, etwa bei der Konfirmation.

Buß- und Bettag

Der Mittwoch vor dem Ewigkeitssonntag entstammt historisch dem Ansetzen von Buß- und Bettagen aus dem Anlass aktueller Notstände und Gefahren, um die gesamte Bevölkerung zu Umkehr und Gebet aufzurufen. Daher wird die Farbe Violett für Besinnung zugeordnet. Die Abschaffung des Buß- und Bettages als gesetzlichem Feiertag erfolgte, um die Mehrbelastung der Arbeitgeber durch die Beiträge zur Pflegeversicherung auszugleichen.

Ewigkeitssonntag

Der letzte Tag des Kirchenjahres dient einer Doppelfunktion. Einerseits dem Gedenken der Verstorbenen des letzen Jahres - daher die Bezeichnung Totensonntag - und andererseits dem Blick auf das ewige Leben im kommenden Reich Gottes. Als Farbe kommen daher sowohl Schwarz als auch Weiß in Frage. Um nicht jeweils nur einen der beiden Aspekte zu betonen, kommt auch das Auflegen der Farbe Grün in Betracht, als Symbol des Wachsens und Werdens und der Hoffnung.