Evangelisches Kirchspiel Schenklengsfeld

Das Kirchspiel Schenklengsfeld

Karte des Kirchspiels Die Region, in der sich das Kirchspiel Schenklengsfeld befindet. Die hellgrau bezeichneten Orte gehören nicht zum Kirchspiel. Mit Ausnahme von Ausbach und Ransbach, die zur politischen Großgemeinde Hohenroda gehören, sind alle Kirchspielgemeinden zugleich Ortsteile der Großgemeinde Schenklengsfeld. Auch der Ortsteil Erdmannrode gehört politisch zu Schenklengsfeld, ist kirchlich allerdings Teil der Kirchengemeinde Buchenau aus dem Kirchenkreis Fulda.

Das Kirchspiel Schenklengsfeld gehört zum Kirchenkreis Hersfeld und Rotenburg der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und liegt in der Vorderrhön südostlich von Bad Hersfeld, also im Dreick zwischen Fulda, Kassel und Erfurt.

Kirchspiel leitet sich wie das Wort Beispiel nicht von Spiel ab, sondern vom alt- oder mittelhochdeutschem spël, was soviel viel wie Rede, Erzählung oder Verkündigung - kirchlich: Predigt - bedeutet. Ein Kirchspiel ist also kirchlicher Verwaltungs- oder Pfarrbezirk. Ein solches Kirchspiel umfasst mehrere Ortschaften mit ihren Kirchen, und kann auch mehrere Kirchengemeinden und Pfarrerinnen und Pfarrer einbeziehen.

Karte des Kirchspiels mit den fünf Kirchen in Wippershain, Schenklengsfeld, Hilmes, Ransbach und in Ausbach Die fünf Kirchen des Kirchspiels

Ortschaften ohne eigene Kirche zählten schon immer zu Pfarrbezirken, die über mindestens eine Predigtstelle (=Kirche) und damit einem Pfarrer verfügten. Schon in der Vergangenheit war es üblich, mehrere Predigtstellen und mehrere Pfarrer einem Bezirk zuzuordnen, um flexibler auf die Veränderungen reagieren zu können. In der Vergangenheit waren dies Veränderungen der Bevölkerungszahlen (historisch etwa durch Neugründungen von Ortschaften oder deren Aufgabe beispielsweise nach Kriegsgeschehnissen) oder der ökonomischen Grundlagen; in der prosperierenden Nachkriegszeit des vergangenen Jahrhunderts beispielsweise wurden zahlreiche Pfarrstellen neu geschaffen. Dieser hohe Versorgungsgrad konnte allerdings mit der anhaltenden Abnahme der Kirchenmitgliedschaften nicht dauerhaft aufrecht erhalten werden. Zusammenschlüsse unterschiedlicher Form sind die Folge.

Karte des Kirchspiels mit den vier Kirchengemeinden Wippershain (grün), Schenklengsfeld (rot), Hilmes (blau), sowie Ransbach-Ausbach (gelb) Die Zugehörigkeit der Ortschaften zu den vier Kirchengemeinden des Kirchspiels

Die Kirchengemeinde Ransbach-Ausbach beispielsweise enstand 2012 aus dem Zusammenschluss der zuvor eigenständigen Kirchengemeinden Ransbach und Ausbach.
Die sehr viel kleinere Kirchengemeinde Hilmes, die noch Mitte des letzten Jahrhunderts selbst Mittelpunkt eines eigenen Kirchspiels der Dörfer Hilmes, Motzfeld, Hillartshausen und Gethsemane war, blieb als eigenständige Kirchengemeinde auch nach Abspaltung der anderen Dörfer erhalten und wurde - ohne eigenen, vor Ort wohnenden Pfarrer - einem der beiden Pfarrbezirke in Schenklengsfeld zugeteilt.
Einen anderen Weg war die Kirchengemeinde Wippershain gegangen. Dort hatte man den Umfang des Dienstauftrags schon vor längerem auf die Hälfte gekürzt und die andere Hälfte mit anderen Aufgaben - etwa dem Berufsschulunterricht - aufgefüllt.

Diese unterschiedlichen Formen der Anpassung lassen sich jedoch nicht beliebig durchführen und sind - auf Jahrzehnte gesehen - auch nicht ausreichend. Die Fusionierung, wie sie etwa bei den Kirchengemeinden Ransbach und Ausbach stattfand, hätte angesichts der Entwicklung der Gemeindemitgliederzahlen ohne weitere Anpassungen vorzunehmen, schon bald zu einer Reduktion des Stellenumfangs um mehr als ein Viertel führen müssen. Allerdings stoßen Stellenreduktionen um Bruchteile wie Drittel oder Viertel in der Praxis oft nicht auf eine ausreichende - und nicht nur an kurzfristiger Überbrücking interessierten - Zahl an Bewerbern, die einerseits daraus ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen, andererseits aber durch die Besonderheiten des Pfarrberufs eben nicht zusätzlich einer beliebigen weiteren Teilzeitbeschäftigung nachgehen können.

Die Lösung bestand im Zusammenlegen dieser vier Kirchengemeinden zu einem gemeinsamen Verwaltungsbezirk, dem dann die Anzahl der zur Verfügung stehenden Pfarrstellen zugeteilt wurde. 2014 wurde damit in einem ersten Schritt mit der Reduktion von 3,5 Pfarrstellen auf 2,5 Pfarrstellen Rechnung getragen, als eine der beiden Schenklengsfelder Pfarrstellen beim Eintritt des einen Stelleninhabers in den Ruhestand gestrichen wurde. Stattdessen wurden die Kirchengemeinden Schenklengsfeld, Hilmes, Wippershain und Ransbach-Ausbach zum Kirchspiel Schenklengsfeld zusammengefügt.
Hierbei blieben die Kirchengemeinden weiterhin selbstständig und mit eigenen Kirchenvorständen. Nur die Aufteilung der Pfarrbezirke, also die Verteilung der Zuständigkeiten der Pfarrerinnen und des Pfarrers änderte sich; sie waren nun nicht mehr alleine nur für eine Kirchengemeinde zuständig, sondern übernahmen zusätzlich Aufgaben in den anderen Kirchengemeinden.
Es ist geplant, den dem Kirchspiel zur Verfügung stehenden Stellenumfang 2025 um eine weitere halbe Stelle zu reduzieren, so dass dann weitere Anpassungen erforderlich sein werden.

Karte mit den drei Bezirken des Kirchspiels Schenklengsfeld Die Aufteilung der der Ortschaften des Kirchspiels in die drei Bezirke: Pfarramt-1 ist rot, Pfarramt-2 grün und Pfarramt-3 gelb unterlegt eingezeichnet. Eine straßengenaue Auflistung der Bezirke ist hier zu finden

Hierzu wurde der Zuschnitt der ehemaligen beiden Pfarrbezirke von Schenklengsfeld radikal geändert. Die Schenklengsfelder Ortsteile außerhalb Schenklengsfelds sowie der südwestliche Teil des Kernortes bildeten zusammen mit der Kirchengemeinde Hilmes den neuen Pfarrbezirk Schenklengsfeld-1 (auf der Karte in Rot eingezeichnet). Der auf der Karte grün hinterlegte Pfarrbezirk Schenklengsfeld-2 wurde aus der Kirchengemeinde Wippershain und dem nördlichen Schenklengsfelder Kernort zusammengefügt. Und der Pfarrbezirk Schenklengsfeld-3 erhielt neben der Kirchengemeinde Ransbach-Ausbach Teile des südöstlichen Schenklengsfeld.

Jedes Kirchenmitglied ist über den Wohnort fest mit einem Bezirk seiner Kirchengemeinde verbunden und ist so mit einer einzelnen Pfrarrerin oder einem einzelnen Pfarrer verbunden, was dessen persönliche kirchliche Angelegenheiten wie Taufe, Hochzeit oder auch Bestattung betrifft. Durch die Zusammenlegung mehrerer Pfarrstellen zu einer Einheit ergeben sich - neben der offensichtlichen Personalkostensenkung - auch weitere Kosteneinsparungen. Etwa beim gemeinsam herausgegebenen Gemeindebrief. Oder durch Einsparung der hohen Heizkosten, wenn winterliche Gottesdienste im Wechsel und daher seltener in den einzelnen Kirchen stattfinden. Gemeinsame Planung und Verantwortung verbessert und vereinfacht beispielsweise auch die Vertretungsregelung und flexibilisiert ganz allgemein den kirchlichen Dienst. So lassen sich die Aufgaben leichter nach individuellen Stärken und Interessen verteilen, als dies nach dem herkömmlichen "jeder muss alles machen" möglich ist. Und schließlich steigt die Bandbreite des kirchlichen Angebots im Kirchspiel, da die Veranstaltungen grundsätzlich allen Mitgliedern aller Kirchspielgemeinden offenstehen, und keine Kirchengemeinde gezwungen ist, ihre regionalen Besonderheiten zugunsten einer überregionalen Normierung aufgeben zu müssen. Im Gegenteil, durch die Kooperationen und vermehrten Kontakte mit Nachbargemeinden bei unterschiedlichen veranstaltungen auch über das Kirchspiel hinaus erhalten neue - oder andere - Ideen die Möglichkeit, sich zu bewähren oder andere Sichtweisen zu eröffnen.

Die Karten auf dieser Seite wurden erstellt mit Daten von OpenStreetMap unter der Lizenz ODbL.